Kommunaler Steuerwettbewerb in der Schweiz
Steuerwettbewerb ist Schweizer Prinzip. Das gilt auch zwischen Kantonen und Kommunen. Wer zum Beispiel als verheirateter Freiberufler in Kreuzlingen - 150.000 Franken im Jahr zu versteuern hat, zahlt rund 28.000 Franken Einkommenssteuer. Zwei Kilometer entfernt, im benachbarten Bottighofen, sind es noch mal fast 6.000 Franken weniger.
Auswanderungsagenturen bedienen mittlerweile eine wachsende Nachfrage von deutschen Selbständigen, aber auch abhängig Beschäftigten. Denn seit Juni vergangenen Jahres ist es für EU-Bürger viel leichter, sich in einem der 26 Schweizer Kantone niederzulassen, wenn sie dem Staat nicht zur Last fallen und ausreichend krankenversichert sind.
Höhere Nettolöhne dank geringer Abzüge:
Schweizer Arbeitgeber können deutsche Qualifizierte mit höheren Gehältern locken, weil ihre Beschäftigten sie brutto trotzdem weniger kosten. Mehr netto in der Tasche - z.B. der Deutsche Hartmut Issel gehört zu den so Umworbenen. Gut ausgebildet wagte er den Sprung in die Züricher UBS-Bank.
Ihm machen die hohen Lebenshaltungskosten z.B. für Wohnung oder Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs zu schaffen, doch er muss abwägen, was unter dem Strich stärker zählt. Und da ist das Ergebnis für Issel eindeutig. Insgesamt überwiegen die Steuervorteile. Beim Dieseltanken z.B. darf Hartmut Issel sich über Schweizer Beständigkeit freuen. Im öko- und mineralölbesteuerten Deutschland seit 1997 ein Steuerplus von 48,4 %, in der Schweiz blieben die Steuern auf den Treibstoff dagegen unverändert.
Steuern werden weiter gesenkt:
Zusätzlich zeichnet sich die Schweiz durch etwas Außergewöhnliches aus. Dem Steuerbürger etwas zurückgeben, ist bindendes Haushaltsrecht der Eidgenossenschaft. Die Folge: statt kommunale Überschüsse etwa in überflüssige Protzbauten oder Schwimmbäder zu versenken, sinken in der Schweiz manchmal sogar die Steuersätze. Beobachter verweisen da insbesondere auf Boris Beckers neue Heimat Zug. Dort fiel im vergangenen Jahr die Einkommensteuer abermals von 6,29 auf sagenhafte 5,10 Prozent.






